FORTSCHRITTLICHE
ANTRIEBSKONZEPTE FÜR STADTBUSSE UND VERTEILERFAHRZEUGE MIT
NIEDRIGSTEN EMISSIONEN; STUFE I 1)
| Autoren: | Dipl.-Phys. Dr. Peter Niebauer, Dipl.-Kfm. Jörg Schindler, Dipl.-Ing. Volker Schurig und Dipl.-Ing. Reinhold Wurster, Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, Ottobrunn |
Veröffentlicht in Verkehr und Technik 1996, Heft 9 + 10 , Erich Schmidt Verlag, München
1) Für den Inhalt dieses Artikel ist
auschließlich die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH
verantwortlich.
1. Einleitung
Die vom Verkehr verursachten Schadstoffemissionen stellen vor allem in Ballungsräumen ein großes und immer noch ungelöstes Problem dar. Inbesondere in sensitiven Gebieten wie z.B. Kurorten ist der Problemdruck besonders groß. Die Forderungen von Bürgern und Politikern nach einer Lösung werden immer drängender.
Neben Maßnahmen wie Verkehrsvermeidung und -verlagerung auf umweltschonende Verkehrsmittel bieten technische Verbesserungen wie z.B. energieeffizientere und emissionsarme Antriebssysteme ein erhebliches Potential zur Verminderung der lokalen und globalen Emissionen.
Für die Einführung neuer innovativer Antriebskonzepte sind der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sowie der Wirtschaftsverkehr in Ballungsräumen besonders geeignet, da hier die erforderliche Infrastruktur schneller und kostengünstiger aufgebaut werden kann.
Aus dieser Motivation heraus entstand das vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) geförderte Projekt FORTSCHRITTLICHE ANTRIEBSKONZEPTE FÜR STADTBUSSE UND VERTEILERFAHRZEUGE MIT NIEDRIGSTEN EMISSIONEN; STUFE I (Laufzeit: 10/93 bis 12/95), an dem sich beratend und unterstützend die Industriepartner BMW AG, Daimler Benz AG, Fichtel & Sachs AG, Magnet-Motor GmbH, Mannesmann Pilotentwicklungsgesellschaft mbH, TÜV Bayern Sachsen und Volkswagen AG beteiligten.
Desweiteren bestand eine enge Kooperation mit dem Umweltbundesamt, das mit großem Engagement und wertvollen Inputs wesentlich zur vorliegenden Arbeit beitrug.
Eine Vorreiterrolle bei der Einführung von Antriebssystemen mit niedrigsten Emissionen hat der Bundesstaat Kalifornien übernommen, wo seit 1994 eine stufenweise Reduktion der Flottenemissionen bis hin zur Einführung von emissionsfreien Fahrzeugen gesetzlich vorgeschrieben ist (10% der neuverkauften Fahrzeuge bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis 1700 kg Bezugsmasse müssen im Jahr 2003 emissionsfrei sein).
Ausgelöst durch diese neuen Rahmenbedingungen dürfte weltweit ein Markt für effizientere und saubere Antriebe entstehen. Diese Entwicklung wird unterstützt durch ähnliche Regelungen in weiteren wichtigen Regionen des Weltmarktes wie z.B. den restlichen Bundesstaaten der USA.
Einen Beitrag zur Lösung der verkehrsbedingten Umweltprobleme beinhaltet sowohl die Weiterentwicklung der bisherigen konventionellen Antriebe als auch der alternativen Fahrzeugantriebe, die vor Ort sauber und leise sind. Traditionell sind dies Fahrzeuge mit Elektrotraktion - wie Straßenbahn und Trolleybus. Beide zeichnen sich jedoch durch ihre Inflexibilität in der Streckenführung und durch ihre hohen Invest- oder/und Betriebskosten aus. Außerdem lassen sich Lieferfahrzeuge und Kommunalfahrzeuge in der Regel nicht als leitungsgebundene Fahrzeuge realisieren.
Eine Analyse der momentanen Situation im Bereich Nutzfahrzeuge zeigt, daß Fahrzeugkonzepte, die deutlich verschärften Anforderungen hinsichtlich niedrigster Schadstoff- und Lärmemissionen mit gleichzeitig akzeptablen Reichweiten, Nutzlasten, Nutzvolumen etc. genügen, heute am Markt aus wirtschaftlichen Gründen nicht verfügbar sind. Es sollten deshalb bestehende Initiativen in Deutschland unterstützt und verstärkt werden, die zu einem nationalen Programm für fortschrittliche Antriebskonzepte führen, das deren erfolgreiche Realisierung und Markteinführung zum Ziel hat. Dies wiederum soll der deutschen Industrie helfen, auf den entstehenden neuen Märkten, die durch veränderte Rahmenbedingungen entstehen, konkurrenzfähig zu bleiben.
2. Ziel des Vorhabens
Ziel der Studie war, in einem Dialog mit der Fahrzeugindustrie Anstöße für eine Einigung über anzustrebende Ziele bezüglich künftiger Stadtbusse und Verteilerfahrzeuge für Ballungsgebiete mit niedrigsten Emissionen zu geben. Diese Position sollte im Anschluß an dieses Vorhaben in einen Dialog zwischen Industrie und Politik über folgende Fragestellungen einfließen:
Das angestrebte Ziel bestand in einem möglichst weitgehenden Konsens über ökologisch und ökonomisch sinnvoll realisierbare emissionsgeminderte Antriebskonzepte sowie die dafür notwendigen politischen Rahmenbedingungen.
Bei der Bewertung der untersuchten Antriebskonzepte wurden folgende Zeithorizonte betrachtet:
Es liegt auf der Hand, daß technische Möglichkeiten der Emissionsreduzierung nicht isoliert von wirtschaftlichen und politischen Randbedingungen sinnvoll betrachtet und diskutiert werden können. Diese Studie möchte auch dazu beitragen, daß dieser größere Zusammenhang deutlich wird.
3. Grundlagen
Die Grundlage für die Bewertung der verschiedenen Antriebskonzepte bildete eine umfassende technische Bestandsaufnahme, die den Stand der Technik und absehbare Entwicklungstendenzen bei den in Frage kommenden Antriebskomponenten beschreibt. Im einzelnen wurden alle gängigen Verbrennungsmotoren, Abgasreinigungssysteme, Getriebearten, elektrische Maschinen, Brennstoffzellen, Energiespeicher und die Steuer- und Leistungselektronik näher untersucht.
Darauf aufbauend wurden zukunftsgerichtete Ansätze für städtische Busse, Liefer- und Kommunalfahrzeuge definiert, die auf verfügbaren und in der Entwicklung befindlichen Antriebskonzepten basieren. Im einzelnen sind dies:
Desweiteren wurden die Anforderungen aus Betreiber- und Kundensicht an die hier untersuchten Fahrzeuge dargestellt. Es wurde für jeden Anwendungsfall (z.B. Stadtlinienbus) das Fahrleistungsprofil definiert und die entsprechenden Fahrzyklen für die Energie- und Emissionsbilanzierung ausgewählt. Außerdem wurden die Nutzlast- und Nutzvolumenverhältnisse der einzelnen Fahrzeuge dargestellt. Im Sinne dieser Studie wurden auch niedrigste Emissionen als primäre Nutzeranforderung definiert. Die Auswirkungen der Nutzeranforderungen wurden bei der Auslegung der Fahrzeuge und bei der Bewertung der Antriebskonzepte entsprechend berücksichtigt.
Im Anschluß daran wurden auf der Grundlage der europäischen Fahrzeugklassen repräsentative Nutzfahrzeuge für Ballungsgebiete ausgewählt. Im einzelnen sind dies:
Für diese Fahrzeuge werden dann aus den oben dargestellten Antriebssystemen die jeweils sinnvollen Antriebsvarianten ausgewählt.
4. Infrastrukturaspekte
Vor der Bewertung der ausgewählten Fahrzeug-/Antriebskombinationen wurden in einem eigenen Kapitel die Infrastrukturaspekte für die in Frage kommenden Treibstoffe näher diskutiert. Als erstes wurden die bereits bestehenden Infrastrukturen der gängigen Treibstoffe Benzin und Diesel dargestellt, wobei insbesondere auf die Speicher- und Umfüllverluste näher eingegangen wurde. Anschließend wurden die im Handling ähnlichen Treibstoffe RME, Methanol, Ethanol und LPG diskutiert. Bei diesen Treibstoffen ergeben sich im Prinzip nur wenig Probleme, die bereits vorhandene Infrastruktur zu nutzen.
Ausführlicher wurde auf die Treibstoffe Erdgas und Wasserstoff eingegangen, die sich nicht mehr bzw. nicht mehr so leicht in die bestehende Infrastruktur einbinden lassen. Es wurde sowohl die Druck- als auch die Flüssigspeicherung näher untersucht. Dabei wurden insbesondere die Tankstellen und die Gesamtkosten im Detail diskutiert.
5. Ergebnisse
Gesamtenergie- und Gesamtemissionsbilanzierung
Den Schwerpunkt bei der Bewertung der ausgewählten Fahrzeug-/Antriebskombinationen bildete eine Gesamtenergie- und Gesamtemissionsbilanzierung, bei der die Treibstoffverbräuche und die Emissionen der Fahrzeuge im Fahrzeugbetrieb mit den Energieeinsätzen und Emissionen der vorgelagerten Prozesse zur Bereitstellung der Treibstoffe miteinander verknüpft wurden. Es wurden die in Tabelle 1 dargestellten Treibstoffpfade näher betrachtet. Diese wurden mit dem Programm GEMIS (GesamtEmissionsModell Integrierter Systeme) bilanziert /1/. GEMIS, das vom Öko-Institut Darmstadt und der Gesamthochschule Kassel enwickelt wurde, betrachtet nicht nur den reinen Produktionsprozeß, sondern auch die notwendigen Transportwege und die Baumaterialien für den Bau der Produktionsanlagen.
Aus Tabelle 1 geht hervor, daß die Treibstoffe Ethanol, Rapsöl und Rapsölmethylester (RME) nicht mehr berücksichtigt werden. Bei Ethanol, das z. B. aus Zuckerhirse, Zuckerrüben, Mais, etc. gewonnen werden kann, führt die erheblichen Umwelteinwirkungen bei der Herstellung zum Ausschluß. Bei Rapsöl und RME die Tatsache, daß diese Treibstoffe im Vergleich zu den konventionellen Treibstoffen Benzin und Diesel keine wesentlichen Vorteile bzgl. der Emission von Schadstoffen und den daraus resultierenden Umweltproblemen (Sommersmog, etc.) in Ballungsgebieten bieten.
Tabelle 1: Untersuchte Treibstoffpfade
| SZENARIO | kurzfristig | mittelfristig | langfristig |
| Benzolarmes
Benzin (max. 1 % Benzolgehalt) |
x | x | x |
| Schwefelarmer
Diesel (max. 0,05 % Schwefelgehalt) |
x | x | x |
| Methanolsynthese aus Erdgas | x | x | |
| Methanol aus
Afrika (Methanolsynthese aus |
x | ||
| Methanolsynthese aus Holz | x | x | x |
| Flüssigerdgas | x | x | x |
| Flüssigwasserstoff
aus Norwegen ( |
x | x | |
| Flüssigwasserstoff aus Kanada (Wasserelektrolyse mit Strom aus Wasserkraft) | x | x | |
| Flüssigwasserstoff
aus Afrika (Wasserelektrolyse mit Strom aus Photovoltaik) |
x | ||
| Flüssigwasserstoff
aus Patagonien (Wasserelektrolyse mit Strom aus Windkraft) |
x | ||
| Erdgas komprimiert | x | x | x |
| Komprimierter
Wasserstoff aus Biomasse (Vergasung von Biomasse) |
x | x | |
| Komprimierter Wasserstoff aus Kvaerner-Prozeß mit Strom aus BRD-Netz | x | x | x |
| Komprimierter
Wasserstoff aus Windkraft (Wasserelektrolyse mit Strom aus einheimischer Windkraft) |
x | ||
| Strom aus BRD-Netz | x | x | x |
Der Energieverbrauch der oben
genannten Fahrzeuge im Fahrbetrieb wurde mit Hilfe eines
Simulationsprogrammes, das im Rahmen des Vorhabens entwickelt
wurde, berechnet. Für diese Berechnungen wurden von den
beteiligten Industriepartnern die benötigten Daten
(Verbrauchskennfelder, Fahrzeugdaten, etc.) zur Verfügung
gestellt. So wurde z.B. der Stadtlinienbus mit folgenden
Antriebssystemen in dem Stadtbusfahrzyklus LINIE66, der eine
Synthese aus realen Fahrzyklen im Stadtgebiet München darstellt,
simuliert:
Konventioneller Antrieb; Treibstoffe: Diesel, Erdgas (CNG, LNG)
Bei der Darstellung der lokalen Schadstoffemissionen im Fahrbetrieb konnte aufgrund fehlender Daten und methodischer Schwierigkeiten keine Simulation durchgeführt werden. Für den Transporter und den Stadtlinienbus konnte allerdings mit Hilfe von Literaturdaten und Inputs der beteiligten Partner und des Umweltbundesamtes für die einzelnen Zeithorizonte eine Abschätzung der Emissionen im Fahrbetrieb dargestellt werden.
Für diese beiden Fahrzeuge wurden die Ergebnisse aus dem Fahrbetrieb und den vorgelagerten Prozeßketten im Rahmen einer Gesamtenergie- und Gesamtemissionsbilanzierung zusammengeführt. Die Auswertung der Ergebnisse läßt sich wie folgt zusammenfassen:
Energieeffizienz
|
An dieser Stelle muß allerdings
betont werden, daß bei den erneuerbaren Energiepfaden die
Energieeffizienz und die
Globale Emissionen
In allen Zeithorizonten wird
sichtbar, daß eine spürbare
Lokale Emissionen
Die Kohlenmonoxid-Emissionen der Antriebssysteme mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen und des Erdgasfahrzeuges liegen in der Regel noch günstiger als die bereits heutzutage im Verkehr unkritischen CO-Emissionen der konventionellen Antriebssysteme mit fossilen Treibstoffen.
Die meisten Antriebssysteme mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen liegen im Bereich der HC-Emissionen des Benzinfahrzeuges. Die sehr guten HC-Emissionen des Dieselfahrzeuges werden im Szenario MITTEL- und LANGFRISTIG von den Pfaden "Komprimierter Wasserstoff aus Biomasse" und "Flüssigwasserstoff aus Norwegen und Kanada" erreicht. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, daß die HC-Emissionen der Antriebssysteme mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen und der Erdgasantrieb einen sehr hohen Methananteil (bis zu 98%) haben. Methan ist im bodennahen Bereich unkritisch (sehr geringes Ozonbildungspotential, nichttoxisch). Obwohl Methan ein hohes Treibhauspotential hat, wird aufgrund der geringen freigesetzten Mengen keine Verschärfung der Treibhausproblematik erwartet.
Die Stickoxidemissionen der Erdgasantriebe und der Antriebe mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen liegen (bis auf die Ausnahme: "Methanol aus Holz") sehr viel niedriger als die Stickoxidemissionen der Antriebe mit fossilen Treibstoffen Benzin und Diesel. Insbesondere die Dieselantriebe weisen sehr hohe Stickoxidemissionen auf. Erdgasantriebe und Antriebe mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen können somit zu einer spürbaren Entlastung der Stickoxidbelastung und folglich der Sommersmogbildung in Ballungsgebieten beitragen.
Benzin- und erdgasversorgte Antriebssysteme, Batterieantriebe und Antriebssysteme mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen tragen spürbar zur Verminderung der Partikelemission in Ballungsgebieten bei. Auch über die gesamte Prozeßkette entstehen bei diesen Antrieben sehr viel weniger Partikel (Fahrbetrieb) und Staub (vorgelagerte Prozeßketten) als bei den Dieselantrieben.
Die globalen Schwefeldioxidemissionen der Antriebssysteme mit Treibstoffen aus erneuerbaren Energiequellen liegen in der Regel deutlich niedriger als die der konventionellen und der Batterieantriebe. Besonders günstig schneiden hier die Erzeugungspfade Wasserstoff aus Biomasse-Farming und Flüssigwasserstoff aus Kanada und Norwegen ab. Günstig im Vergleich zum Benzin- und Dieselfahrzeug liegt auch noch das Erdgasfahrzeug.
Bewertung weiterer relevanter Aspekte
Neben der ökologischen Bewertung der Antriebskonzepte, die in aller Ausführlichkeit durchgeführt wurde und die das zentrale Thema dieser Studie darstelltt, spielten natürlich auch noch andere Kriterien bei der Beurteilung von Antriebs- bzw. Fahrzeugkonzepten eine große Rolle. Beispiele hierfür sind der Betreiber- und Kundennutzen, Sicherheitsaspekte, Verfügbarkeit der Treibstoffinfrastruktur, Treibstoffhandling und vor allem die Wirtschaftlichkeit der Antriebskonzepte.
Zusätzlich zu diesen Kriterien, die im wesentlichen - neben geeigneten Rahmenbedingungen - die Marktchancen der Antriebskonzepte bestimmen, wurde auch noch auf Lebenszyklusaspekte der Antriebskonzepte eingegangen. Die hier durchgeführte qualitative Bewertung ist als erste grobe Abschätzung zu sehen. Wollte man eine detaillierte "Ökobilanz" der hier diskutierten alternativen Antriebs- und Fahrzeugkonzepte, der verschiedenen Treibstoffpfade, etc. durchführen, müßte man einen viel höheren Aufwand treiben, der den Rahmen dieser Studie bei weitem gesprengt hätte.
Folgende qualitative Aussagen können zu den einzelnen Bereichen gemacht werden:
Betriebliche Aspekte aus der Sicht der Betreiber
Betriebliche Aspekte aus der Sicht des Kunden (gilt nur für Stadtbusse)
Sicherheitsaspekte
Lebenszyklusaspekte
Die Betrachtung von Lebenszyklusaspekten hat zu keinen auffälligen Eigenschaften von bestimmten Antriebstechnologien geführt. Die entsprechende Untersuchung konnte im Rahmen dieser Studie nur grob erfolgen. Trotzdem sind wir der Meinung, daß eine Bewertung unter diesem Aspekt keine Technologie ausschließen wird.
Wirtschaftlichkeit
Es zeigt sich, daß alle Antriebskonzepte, die auf erneuerbaren Energien aufbauen, sowie der Brennstoffzellenantrieb in den Zeithorizonten KURZ- und MITTELFRISTIG wirtschaftliche Nachteile gegenüber heute üblichen Antriebskonzepten aufweisen. Speziell bei Wasserstoff-Brennstoffzellenbussen ergab eine Kostenkalkulation, daß KURZFRISTIG zwar noch um ca. 20 % höhere Kosten anfallen, aber MITTEL- bis LANGFRISTIG das Potential vorhanden ist, die Wirtschaftlichkeit eines Dieselbusses zu erreichen. Diese Aussage gilt unter der Voraussetzung, daß die in den nächsten 5-10 Jahren für Brennstoffzellensysteme erwartete Preisreduktion stattfindet und die Wasserstoffkosten im Bereich der Dieselkosten liegen.
Marktchancen für emissionsreduzierte Fahrzeuge
Die Abschätzung der Marktchancen
für emissionsreduzierte Fahrzeuge erfolgte unter der Prämisse,
daß mittel- und langfristige Reduktionsziele bei der lokalen
Schadstoffbelastung (vor allem HC,
Eine in der Studie durchgeführte Szenarienanalyse führte zu folgenden Einschätzungen:
Die Umsetzung dieser Schritte sollte spätestens in 10 Jahren beginnen.
Ausgehend von einem jährlichen
Marktpotential für Nutzfahrzeuge aller Fahrzeugklassen in
Ballungsgebieten von zur Zeit ca. 300.000-350.000 Fahrzeugen und
der Vorgabe der oben genannten langfristigen Klimaschutzziele von
80 %
Rahmenbedingungen
Für eine Ausschöpfung des oben dargestellten Marktpotentials bedarf es geeigneter politischer Rahmenbedingungen, die der Industrie mittel- und langfristig die geeignete Planungssicherheit für den Einstieg in die Serienproduktion alternativer Antriebssysteme geben.
Nach Meinung der LBST genügen die heutigen Rahmenbedingungen wie z.B. die europäische Abgasgesetzgebung nicht, um mittel- bis langfristig den Antriebssystemen mit großem Reduktionspotential bei den lokalen Schadstoffen und den Treibhausgasen einen schnellen Marktdurchbruch zu ermöglichen.
Die LBST sieht sowohl bei den ordnungspolitischen als auch bei den ökonomischen Steuerungsinstrumenten Handlungsbedarf. In dem Vorhaben wurde dazu eine Stoffsammlung erarbeitet, die als Grundlage für weitere Diskussionen dienen soll.
Außerdem wurden die gegenwärtigen und in naher Zukunft geplanten Aktivitäten in den Ländern Frankreich, USA und Japan dargestellt. Als Beispiel sei die kalifornische Abgasgesetzgebung erwähnt, die ab dem Jahr 2003 im Pkw- und leichten Nutzfahrzeug-Sektor bei den Neuzulassungen einen 10 %-igen Anteil von Nullemissionsfahrzeugen vorschreibt und bei Stadtbussen bis zum Jahr 2010 verlangt, daß 30 % der zurückgelegten Fahrzeugkilometer mit Nullemissionen abgewickelt werden.
Forschungs- und Entwicklungsbedarf
Auf der Grundlage der im Vorhaben gewonnenen Erkenntnisse sieht die LBST in folgenden Bereichen Forschungs- und Entwicklungsbedarf, um möglichst bald Antriebssysteme mit niedrigsten Emissionen und hoher Effizienz serienreif zur Verfügung zu haben:
6. Zusammenfassung
Der motorisierte Verkehr
verursacht heutzutage immer noch enorme lokale Umweltbelastungen
in den Ballungsgebieten und trägt durch den
Tabelle 2: Aussichtsreiche Nutzfahrzeug-Antriebskonzepte für Ballungsgebiete
| Zeithorizont | kurzfristig | mittelfristig | langfristig |
| Energiepfade | fossil | fossil (regenerativ) |
(fossil) regenerativ |
| Antriebskonzepte | Leichte Nutzfahrzeuge: Konventionelle und Hybridantriebe mit Ottomotor und G-Kat; Treibstoffe: Benzolarmes Benzin und Erdgas Schwere Konventionelle und Hybridantriebe mit Ottomotor; Treibstoff: Erdgas |
Leichte Nutzfahrzeuge:
Schwere Nutzfahrzeuge:
|
Leichte Nutzfahrzeuge:
Elektrische Antriebe mit
Schwere Nutzfahrzeuge: Elektrische Antriebe mit
PEM-Brennstoffzelle; |
| Emissionen | Reduktion der lokalen Emissionen |
|
|
Im Zeithorizont KURZFRISTIG (in den nächsten 5 Jahren) werden als aussichtreiche Konzepte zur Minderung der lokalen Schadstoffemissionen Antriebssysteme mit Ottomotoren und den Treibstoffen Benzin und Erdgas gesehen. MITTELFRISTIG (in den nächsten 5-10 Jahren) werden die elektrischen Antriebskonzepte, vor allem die mit Brennstoffzellentechnik, an Bedeutung gewinnen. Im Zeithorizont LANGFRISTIG (in 10 Jahren und mehr) werden ausschließlich elektrische Antriebssysteme mit Brennstoffzelle und mit neuen Batterietechnologien als nachhaltige Option identifiziert, mit der eine vollständige Vermeidung der lokalen Emissionen und eine drastische Absenkung der klimarelevanten Kohlendioxidemission erreicht werden kann. Als Treibstoffe kommen Methanol, Wasserstoff und Strom in Frage, deren Erzeugung Schritt für Schritt auf erneuerbare Energiequellen umgestellt werden muß.
Quellen
/1/ U. Fritsche et al., Öko-Institut Darmstadt, GEMIS 2.0, 1992
/2/ Rat von Sachverständigen für Umweltfragen, Umweltgutachten 1994
/3/ Beschluß der Bundesregierung
vom 29.9.1994 zur Verminderung der
/4/ Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" (11. Deutscher Bundestag), Schutz der Erde - Eine Bestandsaufnahme mit Vorschlägen zu einer neuen Energiepolitik, Economica Verlag, Bonn, 1990